Es gibt ja so Dauerbrenner-Themen in Leben: Da war ich nun bei meinem Zahnarzt, habe mir meine 450 Euro Zahnkrone machen lassen, und gleich kommt er mit neuen Ideen. Ich bräuchte unbedingt so eine abgefahrene Sorte elektrischer Zahnbürste für 200 Euro, weil die meine Zähne richtig sauber macht und mir die nächsten 450 Euro spart, und die beste Zahncreme am Markt, die kostet 5 Euro pro Tube. Als ich traurig sagte, mehr Geld für Zähne sei nun wahrlich nicht drin, meinte er, das sei am falschen Ende gespart. Und überhaupt sei doch nun bald wieder Weihnachten, und was eignet sich besser für den Wunschzettel als eine elektrische Zahnbürste! Da steht aber schon eine rückenschonende Bettmatratze drauf, und für das Jahr drauf ein Schreibtischstuhl gegen meinen verspannten Nacken, und weiter wollte ich noch nicht planen, weil ich nicht weiß, wie sich das Verhältnis zu den Schenkern entwickeln wird, und überhaupt, was soll denn das heißen am falschen Ende? Das sagt sich ja immer leicht, wenn man viel Geld hat: An dem Ende muss doch noch was mehr drin sein. Aber welches Ende meint er denn, wo es ruhig fehlen kann? Nicht ständig im Kino alles Geld für Popcorn verballern? Auf dem Rummelplatz nach 6 Runden Achterbahn auch mal an die Gesundheitsrücklagen denken? In eine kleinere Wohnung ziehen, damit die Zahnausgaben bestritten werden können? Weniger waschen? Weniger essen? Wo ist denn hier das richtige Ende?
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Wo bitte gehts zum richtigen Ende?
Veröffentlicht Oktober 29, 2008 kranksein , sonstige Unerfreulichkeiten 13 KommentareTags: Gesundheitsreform, Portfoliostrategien, Sparsamkeit, Zahnarzt
Erste Freilandversuche bestätigen den wirtschaftlichen Nutzen des Klonens
Veröffentlicht Januar 18, 2008 kranksein , krawalle 1 KommentarTags: Ärzte, Krankenhäuser, Robotertechnik
Ja, Krankenhäuser. Habe ich da schon mal was zu gesagt? Wundert mich ja immer wieder, wo die die Leute herstellen, die da arbeiten. Sind ja meistens ganz gut gearbeitet, robust, glänzend, aber dann sieht man eben doch furchtbar schnell, dass das nur Automaten sind, auch wenn sie Anzüge tragen. Ich finde, soweit darf Gesundheitsreform nun wirklich nicht gehen, dass komplett das Personal eingespart wird, da muss man noch mal mit der Regierung reden, das müssen die auch verstehen. Ich war gestern 3 Stunden in der Notaufnahme und nur diese Zombies da, und kein einziger Mensch, der einem auch nur sagt, was passieren soll, geschweige denn fragt, was man braucht. Plötzlich findet man sich von einem Automaten zum Röntgenraum geschoben und erfährt erst aus der Aufschrift auf dem Zimmer, dass man jetzt wohl geröntgt werden soll. Dabei haben die Automaten Sprachfunktion eingebaut, ist mir völlig unklar, warum die abgeschaltet ist. Vielleicht um auch noch den Strom zu sparen? Anders kann ichs mir nicht erklären. Einmal sprachen die Automaten mich dann doch an und drohten, mich verhaften zu lassen, weil ich mich „unerlaubt“ im „Behandlungszimmer“ aufhielt. (Behandlungzimmer heißt der Raum wo man wartet, bis ein Zombie Zeit hat mal zu schauen, was man hat. ) Dass ich als Gebärdendolmetscher dort war, und dies mein Job sei, konterten sie damit, dass sie sich schließlich mit Medizin auskennen und deshalb wüssten, was zu tun sei. Nach nicht einmal 10 Minuten wollte ich den ganzen Laden anzünden und den Arztautomaten zertrümmern, nur dann hätten wir selber operieren müssen, deswegen habe ich dann nur deren Schmieröl mit Zuckersirup vermischt und das gerahmte Leitbild des Krankenhaus an der Wand mit Graffiti beschmiert als die Automaten nicht geguckt haben. Das war deutlich zu wenig für meinen Geschmack, aber allein kann man sich so schlecht wehren. Schön war allerdings, dass ich mich endlich mal mit meinem Job sehr identifiziert habe, und das wünscht man sich doch immer.
Arztgeschichten scheinen mir gerade am ergiebigsten zu sein
Veröffentlicht November 30, 2007 kranksein 2 KommentareTags: Gesundheitsreform, Zähne
Mein Zahnarzt will mir demnächst einen Kostenvoranschlag schicken für meine zukünftige Zahnkrone. (Ich weiß, so genau wollt Ihrs vielleicht nicht wissen. Kommt für den Fortgang aber etwas drauf an, Euch mit körperlichen Details zu belästigen.) Jedenfalls brechen wurzelbehandelte, also getötete Zähne gern mal ab, wenn man keine Krone drauf tut, und dann muss man ihn ziehen und hat gar keinen mehr. Super ist, dass man das mit Zahnkronen verhindern kann – blöd ist nur, dass das deutlich mehr als mein halbes Monatseinkommen kosten wird und ich keine Ahnung habe, woher ich so viel Geld nehmen soll. Klar kann man dann sagen, da ist wohl mein Einkommen zu niedrig und nicht die Behandlung zu teuer. Ich finde mein Einkommen ja auch viel zu niedrig. Nur kann man sich das halt nicht einfach raussuchen, und da draußen sind ganz viele Leute, die auch nicht mehr verdienen als ich, und die dann auch alle abgebrochene Zähne haben werden. Und das finde ich eine richtige Unverschämtheit. Mein Zahnarzt meinte, vielleicht könnte ich mirs ja zu Weihnachten schenken lassen. Aber von wem denn? Ich kenne einfach niemanden, der so viel verdient, dass er 450 Euro übrig hätte. Aber zu Weihnachten blüht ja auch das Spendenwesen immer auf. Vielleicht gründe ich demnächst eine gemeinnützige Organisation, die Spenden für Zahnbehandlungen sammelt. Als Symbol werden wir einen verfaulten Zahn verwenden und Bilder von Menschen mittleren Alters, die nur noch Suppe schlürfen können („Susi Franke, 37, aus Berlin-Marzahn“). Das provoziert sicher die richtige Mischung aus Mitleid und Horror. Und wir laufen als halbe Zähne verkleidet am Hackeschen Markt herum und sprechen Passanten an: Finden Sie das nicht auch furchtbar? Warum immer gleich nach Afrika schauen – das Elend liegt so nah.
Wer jetzt schon spenden möchte: Schecks oder Bargeld an Hört das denn nie auf, PF 1100, 19456 Berlin.
Auf Partys lernt man nicht nur Menschen kennen, sondern auch Schicksale
Veröffentlicht November 3, 2007 kranksein , krawalle , lohnarbeit 7 KommentareTags: Mitgliedschaft, Russland, Schmerzen
Angeblich gibt es in Russland ganze Banden marodierender Schmerzpatienten, die vom offiziellen Gesundheitssystem aufgegeben wurden und nun sich selbst überlassen sind. Weil sie ständig Schmerzen haben, können sie keiner geregelten Lohnarbeit nachgehen und sind so aufs Klauen und Betteln verwiesen. In der sibirischen Taiga gibt es wohl mehrere solcher Hüttendörfer, die von der restlichen Bevölkerung gemieden werden und wo sich anscheinend auch die Polizei nicht mehr hintraut. Keiner weiß, was mit diesen Leuten angefangen werden soll: behandeln will oder schafft keiner, durchgefüttert werden sollen sie aber auch nicht, da es ohnehin genügend Arbeitskräfte gibt und nicht abzusehen ist, dass die Schmerzies noch mal für produktive Verwendung taugen werden. Als ich das hörte, sah ich etwas schwarz für meine Zukunft, aber zur Not gründe ich vielleicht einfach auch so eine Bande, und dann müsst ihr auch nicht mehr nach alleinstehenden Erben für mich Ausschau halten.
Bewerbungen für meine Bande bitte mit kurzem Motivationsschreiben. (Bild nicht erforderlich.)
Wir essen von den Rosen nur die Stiele
Veröffentlicht November 2, 2007 kranksein , lohnarbeit 2 KommentareTags: Neurologie, Psychosomatik
Connections heißt das Wunderwort, Leute! Die beste Freundin meines Bioladenbesitzers betreibt doch tatsächlich eine neurologische Praxis in Petershagen. Die Arztsuche ist hiermit offiziell beendet. Wer sich jetzt fragt, wo bitte Petershagen ist – das wußte ich bis gestern auch nicht, aber man kommt mit der S-Bahn hin. Jedenfalls ist es jetzt amtlich: Mein Körper hat nichts, was man mit Strommeßgeräten feststellen und beheben kann. Dafür fragte sie mich, ob ich meinen Job denn gern mache und deutete an, dass es möglicherweise was damit zu tun haben könnte, dass mir alles weh tut. Leider bin ich gar nicht der Typ für Sichzusammenreißen, aber manchmal wärs doch schon ganz nützlich, um seine Existenzgrundlage nicht völlig zu gefährden. Und da weiß ich nun nicht, ob ich böse sei soll auf meinen leidenden, kleinen Körper, dass er es nicht schafft, einfach mal die Zähne zusammenzubeißen und zu funktionieren, wie andere ja wohl auch, oder ob ich nicht doch ein bisschen stolz auf ihn bin, dass er sich einfach verweigert, auch wenn er uns beide damit ins Unglück stürzt. Irgendwie mag ich ihn glaube ich dafür.
Ist das jetzt schon Anlass genug?
Veröffentlicht Oktober 29, 2007 kranksein , krawalle 2 KommentareTags: Ärzte, Knast
Kann mir mal jemand sagen, was man macht, wenn einen kein Arzt behandeln will? Mein Arzt hat mir Überweisungen zu Spezialisten mitgegeben, und dann soll ich Freitag die Befunde mitbringen. Die Spezialisten wollen mich nicht vor Januar drannehmen, das wird dann knapp bis Freitag. O.k., ich habe nur 17 Praxen angerufen, danach hatte ich einfach keine Kraft mehr. Bin ich zu zimperlich? Andererseits, wieviel Hartnäckigkeit brauchts denn, um hier beachtet zu werden? Darf man nach 40 Ärzten erschöpft aufgegeben, oder erst wenn man noch den letzten Arzt in Lichtenrade gefragt hat, und der Nein sagt? Aber wieso: Die S-Bahn fährt doch auch nach Bernau oder Erkner. Oder denkt erst an Nauen oder Rathenow, irgendwo wird sich da schon ein Termin finden lassen, man muss es halt wollen! Ja, stimmt schon, dann will ichs wohl nicht. Ich will nicht ständig um alles kämpfen müssen, da bin ich zu erschöpft zu. Ist einer von euch Lesern mit einem Neurologen verwandt oder eng befreundet mit einer Orthopädin? Und wo wir schon dabei sind: Kennt ihr reiche Menschen, die wegen ihres Geldes geheiratet werden wollen würden? Menschen mit großen Grundstücken, die es o.k. fänden, wenn ich dort wohne? Wenn alles scheitert, habe ich ja noch den Sprengstoff auf dem Dachboden, aber da bin ich dann vermutlich auch zu erschöpft zu. Andererseits wenn ich die Arztpraxen hochsprenge, werden die mich auch nicht mehr behandeln wollen. Blöd. Aber sicher gibts im Strafvollzug einen Neurologen. Und da habe ich dann ja auch etwas mehr Zeit. Man sieht: Es gibt immer Mittel und Wege, man braucht nur Mut und Beharrlichkeit, und man muss es eben wirklich wollen!
Ein Titel muss ja nicht immer zum Text passen.
Veröffentlicht Oktober 26, 2007 kranksein , lohnarbeit 3 KommentareTags: Depressionen, Drogen
Naja, was ich eigentlich hatte sagen wollen: Ich bin von einer spontanen Depression heimgesucht, deswegen schickt stimmungsaufhellende Drogen und Bonbons! Ich hatte schon überlegt, ob ich vielleicht wieder mehr arbeiten sollte, aber das spricht leider nicht für meine Arbeit, nur irgendwie gegen mich. Es zeigt aber, wie verstellt der Weg zum Glück hier doch ist, wenn das, woran man die ganze Zeit leidet, plötzlich der Weg wird, wenigstens nicht noch mehr zu leiden. Wenn ich nicht so antriebslos wäre, würde ich jetzt furchtbar wütend werden, aber was würde das schon bringen, und vielleicht ist genau das das Problem. Bald wirds besser – nicht die Welt zwar, zumindest aber mein Befinden – und dann bin ich wieder eure tapfere Agate.