Archiv der Kategorie 'krawalle'

Auch schön:

Kein Mensch würde schließlich auf den Gedanken kommen kostenlose Wohnungen in Charlottenburg-Wilmersdorf zu fordern.

(Engagierter Bürger zum Thema Aufregung über Parkplatzgebühren in der von SPD/PDS/Grünen finanzierten Parkraumbewirtschaftungs – Werbezeitung.)

1. Die empirische Basis dieser Behauptung scheint mir nicht so groß zu sein, das „kein Mensch“ zu rechtfertigen. Da müssen die Autoren wohl noch mal nachrecherchieren.

2. Es ist aber auch gar nicht als empirische Aussage gemeint, sondern soll die Beschwerde über die Verteuerung des Lebens an dem Vergleich mit zu bezahlenden Wohnungen blamieren. Nur, warum schreiben die Autoren dann, keine kostenlosen Wohnungen in Charlottenburg-Wilmersdorf (= Innenstadt), warum nicht nirgendwo? Weil sie sich kostenloses Wohnen am Stadtrand schon vorstellen können, für die Armen, die kein Geld haben, aber nicht da, wo alle gern wohnen wollen? Wir sehen uns dann im Märkischen Viertel.

Das ist mal richtig Bürgerengagement

Die Anwohnerinitiative hat uns eine komplett unverbindliche Volksabstimmung über die Parkschein-Automaten vor unserer Haustür erkämpft, und trotz seines müden, rein empfehlenden Charakters hatte ich das bisher als Lichtblick wahrgenommen. Doch nach einer hitzigen Debatte mit engagierten Umweltbewussten bin ich ins Zweifeln gekommen, ob auf der Erfolg der Abstimmung zu hoffen der richtige Weg ist. Diese Menschen fanden es eine großartige Sache, dass alles rund ums Auto endlich teurer wird, damit das mit der Wirbelstürmen in der Karibik und der Polarschmelze mal aufhört. Ich meinte kleinlaut, dass doch alles schon teurer wird und wenn das so weitergeht, hört bald jede Lebensregung auf, weil das Geld dafür fehlt, aber das fanden sie nicht schlimm, so lange das mit den Autos auch aufhört. Im übrigen würden die Menschen verstärkt öffentliche Verkehrsmittel benutzen, wenn Autos teurer werden. Dass die BVG und die Bahn freilich gar nicht billiger werden, wenn das Parken teurer wird, und es also gar keinen Grund gibt, öfter Bahn zu fahren, sahen sie auch, aber: „Das muss noch kommen. Die Autoverteuerung kann nur der erste Schritt sein.“

Das mit der Umwelt und dem öffentlichen Personenverkehr ist ja in der Tat keine schlechte Sache, aber ich sehe gar nicht ein, dass ich immer noch weniger Geld zum Leben zur Verfügung haben soll, auch wenn es den Menschen in der Karibik durch meine Armut überhaupt nicht besser geht. Folgende weitere Schritte habe ich mir also überlegt:

Wir gründen einen Tarifverbund, der die Kosten von Autoverkehr und öffentlichem Personenverkehr umgestaltet. Die Politik ist bisher noch nicht dazu gekommen, aber die haben auch viel zu tun und Deutschland sind ja eh wir, wenn ichs richtig verstanden habe, und das heißt, dass nichts anders wird, wenn wir es nicht selbst in die Hand nehmen. Der „Tarifverbund Mensch und Umwelt“ wird als erster in Deutschland eine gemeinsame Fahrpreisstrategie für den öffentlichen und privaten Personenverkehr beschließen. Der Tarifverbund ist genossenschaftlich organisiert und die Mitglieder entscheiden über die Angemessenheit der Tarife. Umweltbelange sollen bei der Tariffestsetzung ausdrücklich mit berücksichtigt werden. In regelmäßigen Abständen wird der Tarifverbund über eine Erhöhung oder Senkung der Tarife beraten. Wir drucken eigene Tickets für Mitglieder des Tarifverbundes, die alternativ zu BVG-, Bahnfahr- oder Parkscheinen erworben werden können. Nach Abzug der Verwaltungskosten übrige Einnahmen werden an die Verkehrsbetriebe überwiesen. Wir machen unsere eigene ökologische Tarifreform! Und weil das Projekt so ökologisch ist, traut sich keiner, was gegen unsere selbstgedruckten Ticket zu sagen. Und das Modell wird sich wie ein Flächenbrand in der Stadt ausbreiten, wenn die anderen Fahrgäste erstmal merken, dass wir für 1,20 hin und zurück nach Sans Souci fahren und deswegen noch Geld für Eis haben. Bei der Bundesbahn sehe ich noch viel größere Einsparpotentiale.

Anfragen zu Franchise in anderen Regionen an: kaszewska@tarifverbund.info

Da wollen wir nicht hin

Das Jobcenter hatte sich geweigert, meine Miete zu zahlen, als guter Staatsbürger habe ich von meinem Widerspruchsrecht Gebrauch gemacht. Weil aber mein Widerspruch einen Tag zu spät beim Amt ankam, haben sie sich wiederum geweigert, meinen Widerspruch zu bearbeiten. Beim Amtstermin wurde mir freundlich gesagt:Den KÖNNEN sie nicht bearbeiten, das GEHT nicht. Als ich freundlich zurückfragte, WARUM das nicht geht, der Widerspruch ist doch da, sagte man mir ernsthaft: Da könnte ja jeder kommen, und wo kämen wir denn da hin. Ja, wo kämen wir denn da hin?, fragte ich, aber ich habe keine Antwort bekommen, ich sei eine kluge Person und könne mir das selber überlegen.

Hier das Ergebnis meiner Überlegungen:

Worst case I. Leute wohnen einfach irgendwo, ständig kommen neue Leute dazu und wollen auch wohnen, und es werden immer mehr und das mit dem Wohnen-wollen nimmt gar kein Ende, und schließlich bilden die sich alle ein, sie hätten ein Recht darauf irgendwo zu wohnen, und sehen nicht ein, warum sie das nicht sollen. – Es gelang mir irgendwie nicht, das schlimm zu finden. Als Betroffene bin ich da aber vielleicht parteiisch.

Worst case II. Leute finden gefallen am Verschleppen von Anträgen. Pünktlichkeit wird als Tugend entwertet, zumal von den Arbeitslosen, die damit ihre „Wiedereingliederungschancen“ ins Bodenlose senken. Die Gesellschaft fällt auseinander, weil niemand mehr pünktlich zu Terminen erscheint, nicht einmal privaten Verabredungen. Sozialkontakte werden unmöglich, die Vereinsamung der Menschen erreicht ihren Höhepunkt. Die Produktion bricht zusammen und vereinzelt wird wieder Subsistenzwirtschaft betrieben. Wer Feldarbeit nicht beherrscht oder nicht mag, verhungert kläglich. – Ich kann keine Hacke bedienen, da will ich auch nicht hin. Vielleicht haben die beim Amt doch recht. Im Gegensatz mir durchschauen sie die Zusammenhänge halt besser.

Neulich in die Schlange vons Arbeitsamt

Wir standen über eine Stunde in Schlängellinie zwischen dem Absperrband. Im Brief hieß es, ich solle meine Unterlagen am Empfang abgegeben. Dass das nicht wie woanders in 5 Minuten geschehen ist, hatte ich mir gedacht, aber nicht dass man eine Stunde braucht, um überhaupt zum Empfang durchzukommen, egal was für eine kleine Frage man hat. Schwangere und Schwerbehinderte dürfen freundlicherweise vor, alle anderen müssen stehen, egal wie alt oder krank sie sind. Nach 10 Minuten hörte das auf lustig skuril zu sein und wurde nur öde und machte mir Rückenschmerzen. Später begann ich mich mit den Leuten um mich rum zu unterhalten. Einer kam auf die Idee mit dem Domino: Man muss irgendwas Gemeinsames mit dem Hintermann finden, und der wiederum mit seinem, und so weiter, und wenn die Kette unterbrochen ist, fallen alle der Reihe nach um. Das machte Spaß und sah durch die Kurven sehr hübsch aus. Nach einer Weile Domino wurde die Stimmung lockerer und schließlich ließen sich die meisten mit Schwung auf ihren Hintermann fallen. Die Wärter schauten mit ausdruckslosem Blick zu. Erst als dann mal jemand nicht zum Schalter ging, weil er gerade unter einem Haufen Menschen lag, kam eine Sachbearbeiterin und sagte entschieden, wenn das nicht sofort aufhöre, dann würden wir alle nach Hause geschickt, und bekämen kein Geld wegen fehlender Mitbewirkung nach Paragraph 2 Sozialgesetzbuch oder so. Wir seien schließlich nicht zum Vergnügen hier. Alle stellten sich schnell wieder artig auf und hörten auf zu reden. Die Langeweile ging weiter.

Neuer Dienst meiner Stadtverwaltung am Einwohner – Antwort steht noch aus

In meinem Viertel haben sie jetzt Parkscheinautomaten vergraben und wir hatten deswegen einen Stromausfall. „Parkraumbewirtschaftung“ nennt das die Behörde, und schreibt versöhnlich, Parkraumbewirtschaftung also sei „keine Schikane, sondern eine Hilfe“, und zwar für die Anwohner. Die werden per Brief dazu aufgefordert sich darüber zu freuen, dass man jetzt endlich nicht mehr lästig nach Parkplätzen suchen muss. Ach ja? Davon, dass man fürs Parken plötzlich bezahlen muss, hat noch überhaupt niemand einen Parkplatz. Vielmehr wird Parken einfach nur teurer, und zwar kostet es jetzt 13 Euro pro Tag. Das ist nebenbei gesagt mehr als meine Wohnungsmiete, was aber nur daran liegt, dass ich mir keine größere Wohnung leisten kann. Da ich selber gar kein Auto habe, komme ich um die 13 Euro jeden Tag drum herum, aber das ist plötzlich gar kein Vorteil, sondern ein Nachteil, denn man kann bei der Behörde für etwas über 30 Euro eine Jahreskarte kaufen. Die lohnt sich schon bei drei Tagen parken, nur muss man dafür das Nummernschild dem Amt angeben. Wenn man ab und zu mal ein Auto borgt, wenn man eins braucht (was die Parkplatzsituation für die Anwohner und alle die „zum Arbeiten, Einkaufen oder zum Vergnügen“ kommen im Gegensatz zu diesen blöden Automaten echt mal verbessert), kann man keine Jahreskarte bekommen, weil man die Autonummer nicht erst dann eintragen kann, wenn man sieht, was für eine Nummer auf dem Auto draufsteht, was man da ausgeliehen hat – weil da könnte ja jeder kommen, und dann gäbe es bald einen Schwarzhandel mit Anwohnerparkscheinen, und die Drogenmafia in dem Gebiet, die gerade zurückgedrängt werden soll, würde neue Arbeitsfelder erschließen und Leuten wegen Anwohnerparkscheinen auflauern, die zu horrenden Preisen gehandelt werden, und dann fliesst das ganze Geld nicht in die Stadtkasse, für die das hauptsächlich eine Hilfe sein soll, auch wenn der Bezirksstadtrat den Punkt in seinem Brief vergessen hat zu erwähnen. Es gibt gegen die Verteuerung des Lebens hier eine Bürgerinitiative, die Unterschriften sammelt, aber das scheint niemanden zu beeindrucken, denn die Automaten wurden schon vergraben, das signalisiert Entschlossenheit der Behörde. Was es bräuchte wäre eine entschlossene Bürgerinitiave, die die Automaten zertrümmert. Die Pflastersteine liegen ja alle noch rum.

Erste Freilandversuche bestätigen den wirtschaftlichen Nutzen des Klonens

Ja, Krankenhäuser. Habe ich da schon mal was zu gesagt? Wundert mich ja immer wieder, wo die die Leute herstellen, die da arbeiten. Sind ja meistens ganz gut gearbeitet, robust, glänzend, aber dann sieht man eben doch furchtbar schnell, dass das nur Automaten sind, auch wenn sie Anzüge tragen. Ich finde, soweit darf Gesundheitsreform nun wirklich nicht gehen, dass komplett das Personal eingespart wird, da muss man noch mal mit der Regierung reden, das müssen die auch verstehen. Ich war gestern 3 Stunden in der Notaufnahme und nur diese Zombies da, und kein einziger Mensch, der einem auch nur sagt, was passieren soll, geschweige denn fragt, was man braucht. Plötzlich findet man sich von einem Automaten zum Röntgenraum geschoben und erfährt erst aus der Aufschrift auf dem Zimmer, dass man jetzt wohl geröntgt werden soll. Dabei haben die Automaten Sprachfunktion eingebaut, ist mir völlig unklar, warum die abgeschaltet ist. Vielleicht um auch noch den Strom zu sparen? Anders kann ichs mir nicht erklären. Einmal sprachen die Automaten mich dann doch an und drohten, mich verhaften zu lassen, weil ich mich „unerlaubt“ im „Behandlungszimmer“ aufhielt. (Behandlungzimmer heißt der Raum wo man wartet, bis ein Zombie Zeit hat mal zu schauen, was man hat. ) Dass ich als Gebärdendolmetscher dort war, und dies mein Job sei, konterten sie damit, dass sie sich schließlich mit Medizin auskennen und deshalb wüssten, was zu tun sei. Nach nicht einmal 10 Minuten wollte ich den ganzen Laden anzünden und den Arztautomaten zertrümmern, nur dann hätten wir selber operieren müssen, deswegen habe ich dann nur deren Schmieröl mit Zuckersirup vermischt und das gerahmte Leitbild des Krankenhaus an der Wand mit Graffiti beschmiert als die Automaten nicht geguckt haben. Das war deutlich zu wenig für meinen Geschmack, aber allein kann man sich so schlecht wehren. Schön war allerdings, dass ich mich endlich mal mit meinem Job sehr identifiziert habe, und das wünscht man sich doch immer.

„We are the ones we have been waiting for!“

Immer noch keine Neuigkeiten vom Leben da draußen, vermutlich auch, weil ich nur noch selten vor die Tür gehe. Aber es gibt freundliche Menschen, die mir Zitate für meine Seite schicken, und so passiert hier also doch was. Allen Einsendern sei herzlich gedankt!

Sentimentaler Kram

Gerade las ich bei Botho Strauß (den das ärgert) über Max Frisch, dass der einem Kumpel dringend ans Herz gelegt hat, im Alter nicht weise zu werden, sondern wütend zu bleiben. Im Gegensatz zu Botho finde ich das einen erfrischenden Rat. Ich habe gerade keine Zeit mich um Eure Lesebedürfnisse ausgiebiger zu kümmern, aber: Werdet wütend!

Und dann wünsche ich Euch freilich trotzdem ein erfreuliches Jahr, denn ich rege mich ja nicht auf, weil man es nicht gut haben soll, sondern weil das einem hier so verdammt schwer gemacht wird.

Meine lieben Leser,

Aus gegebenem Anlaß möchte ich Euch herzlichst auffordern, Eure Wünsche, Bedürfnisse, Ideen, Pläne etc. ernstzunehmen und zu realisieren, wo es geht. Geht freilich nicht immer, es gibt ja noch eine Gesellschaft da draußen, die auch ihr Recht fordert, aber es geht eben auch nicht immer nicht – manchmal reicht es sich zu trauen. Und da ich nicht allen ins Lesern Herz kucken kann: Denkt auch nach, bevor ihr Pläne umsetzt, die andere Menschen tangieren. Es ist nicht alles gut, was spontan ist. Aber man muss eben auch nicht bei allem erst um Erlaubnis fragen.

So don’t just wait – do something!

Mal was ganz Privates

Als ich nach Hause kam, musste ich entdecken, dass in dem Büro bei uns unten im Haus die ekligste Person Berlins arbeitet, auch genannt: der Bluthund. Wollt Ihr sowas lesen? Ich war ja lange auf der Suche nach mitteilenswerten Dingen in meinem Leben, aber dass der Bluthund direkt neben meinem Hauseingang lauert hat mich heute ziemlich fertig gemacht. Neuerdings arbeitet man ja in so Aquarien, wo jeder reinschauen kann und sieht, ob man arbeitet (immerhin können die Leute auch rausschauen, wenn sie nicht bis nachts im Büro sind), und da ist nun also der Bluthund im Schaufenster und hängt gerade seinen Mantel auf. Ich bin dem Hund (eigentlich ist der Bluthund ja eine Frau, also eine Hündin) erst zweimal auf der Straße begegnet, aber das hat gereicht, mich zu fragen, ob ich sie ermorde, wenn ich sie mir mal vorm Büro begegnet. Ich hatte kurz befürchtet, sie wohnt auch bei uns im Haus, und dann wäre das mit dem Mord unausweichlich geworden, aber dann fiel mir ein, dass man heutzutage ja eh immer durch die ganze Stadt zur Arbeit fahren muss, und so kann ich hoffen, dass ihre Wohnung in Reinickendorf bald abbrennt während sie schläft, und dann stört es gar nicht. Vielleicht wohnt sie auch in einem Einfamilienhaus, dann kommt niemand sonst zu schaden, denn es gibt bestimmt keinen, der mit ihr zusammenwohnt, es sei denn sie hat Menschen bei sich im Keller eingesperrt. Hoffnungen auf das Verrecken von Einzelpersonen gehören ja sonst nicht so zu meinem Metier, und ihr fragt Euch vielleicht auch, warum ich das hier so ausbreite, aber erstens ist das ein Blog und da schreibt man also nicht immer über das Kapitalverhältnis sondern über seine Erlebnisse und außerdem war ich richtig böse auf diese Gesellschaft, dass Menschen hier zu solchen Widerlingen aufwachsen können und trotzdem nicht völlig sozial geächtet sind. Ich habe vielmehr den Verdacht, ihre Art von Bösartigkeit ist in manchen Kreisen völlig unauffällig, weil normal. Und das macht mich richtig fertig.

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