Archiv der Kategorie 'lohnarbeit'

Neuer Job, neues Glück

Habe wieder mal den Beruf gewechselt. Das mit der Selbstständigkeit brachte nichts ein, jetzt arbeite ich in einem eleganten Büro, kleide mich elegant und bekomme regelmäßig Geld. Und ich habe überhaupt keine Zeit mehr. Weiß noch nicht wie ich damit umgehen soll. Gut gemeinte Ratschläge sagen, da gewöhnt man sich dran, aber ich weiß nicht, ob das was Gutes sein kann, sich dran zu gewöhnen, dass man nie mehr eigenen Plänen nachgehen kann. Ich werde das mal beobachten, habe aber gerade das Gefühl, man muss sich entscheiden, ob man Geld zu leben haben will, dann reicht die Zeit aber nicht mehr zum Leben, oder ob man Zeit zum Leben haben will, dann ist es mit dem Leben nicht so weit her und das Geld reicht nur für Wagenplatz und kalt duschen.

Was machen die im Kindergarten mit den Kindern: Schießübungen?

Heute morgen im Supermarkt sagte eine Frau an der Kasse besorgt zum Kind: Wenn ich immer so viel Geld ausgebe, werde ich bald ganz arm. Daraufhin das Kind fürsorglich: Wenn du arm bist, kannst du doch zur Bank gehen, da kriegt man immer neues Geld.

In meiner Müdigkeit schien mir das endlich ein Ausweg: Kinder als nicht strafmündige Bankräuber. Man müsste sie nur dazu kriegen, es freiwillig zu machen, denn die Anstiftung dazu bringt einen leider wieder in den Knast. Aber dann fiel mir ein, dass die Kiddies ja trotzdem weder ihr Geld noch ihre Waffen behalten dürfen, wenn sie erwischt werden, und dann hat man doch nichts von. Oder hatte die Kleine das noch anders gemeint und dachte gar nicht daran, bewaffnet zur Bank zu gehen? Was ist der Trick? Besitzen Kinder ein geheimes Wissen?

Die Bildungsreform muss kommen!

Ist ja gar nicht so leicht sein eigener Arbeitskraftunternehmer zu werden. Die ganzen Formulare beim Finanzamt habe ich auch nach mehrmaligem Lesen nicht verstanden. Bisher dachte ich immer, das sei ein Problem niedriger Schulbildung. Jetzt weiß ich, dass das Hochmut war. Zum Glück gibt es aber bald eine Bildungsreform, wo man ab der dritten Klasse schon Unterricht in Betriebswirtschaft und Jura bekommt. Da kann dann sowas nicht mehr so leicht passieren.

(Es sei denn bis man aus dem Grundschulalter die Arbeitsmarktreife erlangt, sind die ganzen Vorschriften schon wieder so verändert, dass einem das ganze Pauken nichts genützt hat.)

Dem Jobcenter den Rücken gekehrt (und direkt den nächsten in die Arme gelaufen)

Ich werde Ich-AG! Zukünftig halte ich 100% der Anteile an meiner Person, und bin ganz allein dafür verantwortlich, ob jemand mit meiner Arbeitskraft was anfangen, und vor allem sie bezahlen will. (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wirklich was Neues ist.)

Was haltet ihr von meinem Slogan: „Aus Agate wird jetzt Agate-AG, sonst ändert sich nix!“ Zu wenig frisch?

Knut reloaded

Es gibt da ja jetzt diesen neuen kleinen Eisbären in Nürnberg. Ob man wohl richtig viel Geld erpressen kann, wenn man den mitnimmt? Noch ist er so groß, dass er in einen Einkaufsbeutel passt, also müsste man da schnell was unternehmen. Später wird das bestimmt schwieriger. Da kann er am Ende noch beißen. Außerdem trinkt er dann nicht mehr nur Milch sondern isst rohe Steaks, und dann wird der Unterhalt für ihn auch gleich teurer, so dass man noch mal extra drauf angewiesen ist, ordentlich Geld mit der Aktion zu verdienen, damit es kein Zuschußgeschäft wird. Ich kalkuliere das gleich mal durch, wieviel man als Startkapital bräuchte. Fahrkarte nach Nürnberg, Eintritt für den Zoo, dann irgendwie wieder da weg, aber besser nicht mit den Öffentlichen, falls der Bär Geräusche macht. Eigentlich bräuchte man vermutlich ein eigenes Auto, dann kann man den unauffällig wegbringen. Und dann ja nur noch Milch kaufen und warten, das geht dann wieder. Aber Zugtickets für mindestens 2 Leute, und dann noch ein Auto, das haut schon richtig rein. Wenn ich das gerade richtig überschlage, habe ich nicht mal genug Geld für eine winzig kleine Entführung. Dabei war das doch nun endlich mal ein Plan. Irgendwie reicht es dann aber doch immer nur für Frühstück und einen Fahrschein zur Arbeit. Mann, ist das trist.

Juchu, endlich Wochenende!

Denn da kommt man endlich mal dazu, in Ruhe Bewerbungen zu schreiben. Mit viel Glück bekomme ich dann vielleicht mal eine Stelle, wo ich nicht ständig Existenzangst habe. Außerdem kann man sich beim Bewerbungen schreiben mal erholen von der Lohnarbeit. Zumindest ich arbeite ja körperlich, und da ist so eine Weile am Schreibtisch durchaus eine Abwechslung. Schön ist auch, dass man da ja eine ganze Menge Zeit reinstecken kann. Eine Bewerbung, die wenigstens die mindeste Aussicht haben soll, gelesen zu werden, schreibt sich schließlich nicht mal eben in 2 Stunden. Da geht schon immer mehr als ein Tag bei drauf, eher sogar zwei. Damit hat man aber auch das Problem gelöst, wie man sein Wochenende verbringen soll – das kann ja manchmal zu Frust führen, wenn man nicht weiß, was man machen soll. Das Problem gibt es so nicht. Manchmal hätte ich zwar auch gern mal wieder Zeit, einfach im Park zu spazieren oder mit Freunden zu essen, aber noch lieber hätte ich gern einen Job. Man muss halt sein Präferenzen klar haben. Und es ist auch nicht nur eine Laune von mir, mich um bessere Jobs zu bewerben, sondern meine eine Stelle (ich habe zwei aus denen ich mir meinen kärglichen Lebensunterhalt zusammenstückel, falls es jemand wissen will) endet im Februar, und so bin ich also auch gezwungen, mich um eine neue zu bemühen. Wenn dabei noch sozialer Aufstieg bei rauskommt, wär das schön, aber Abstieg verhindern ist gerade das Nötige. Habt Ihr auch schon mal den Satz gehört, dass Kommunismus nicht funktionieren würde, weil Menschen mit mehr Freiheit und mehr Freizeit nicht umgehen könnten, weil sie nichts mit sich anzufangen wüssten? SO EINE SCHEISSE! Dass man auch noch seine Freizeit mit Lohnarbeitsbemühungen verbringen muss, ist eine Frechheit! Schon klar: Ich mache das „freiwillig“, müsste ich ja nicht.

Auf Partys lernt man nicht nur Menschen kennen, sondern auch Schicksale

Angeblich gibt es in Russland ganze Banden marodierender Schmerzpatienten, die vom offiziellen Gesundheitssystem aufgegeben wurden und nun sich selbst überlassen sind. Weil sie ständig Schmerzen haben, können sie keiner geregelten Lohnarbeit nachgehen und sind so aufs Klauen und Betteln verwiesen. In der sibirischen Taiga gibt es wohl mehrere solcher Hüttendörfer, die von der restlichen Bevölkerung gemieden werden und wo sich anscheinend auch die Polizei nicht mehr hintraut. Keiner weiß, was mit diesen Leuten angefangen werden soll: behandeln will oder schafft keiner, durchgefüttert werden sollen sie aber auch nicht, da es ohnehin genügend Arbeitskräfte gibt und nicht abzusehen ist, dass die Schmerzies noch mal für produktive Verwendung taugen werden. Als ich das hörte, sah ich etwas schwarz für meine Zukunft, aber zur Not gründe ich vielleicht einfach auch so eine Bande, und dann müsst ihr auch nicht mehr nach alleinstehenden Erben für mich Ausschau halten.

Bewerbungen für meine Bande bitte mit kurzem Motivationsschreiben. (Bild nicht erforderlich.)

Wir essen von den Rosen nur die Stiele

Connections heißt das Wunderwort, Leute! Die beste Freundin meines Bioladenbesitzers betreibt doch tatsächlich eine neurologische Praxis in Petershagen. Die Arztsuche ist hiermit offiziell beendet. Wer sich jetzt fragt, wo bitte Petershagen ist – das wußte ich bis gestern auch nicht, aber man kommt mit der S-Bahn hin. Jedenfalls ist es jetzt amtlich: Mein Körper hat nichts, was man mit Strommeßgeräten feststellen und beheben kann. Dafür fragte sie mich, ob ich meinen Job denn gern mache und deutete an, dass es möglicherweise was damit zu tun haben könnte, dass mir alles weh tut. Leider bin ich gar nicht der Typ für Sichzusammenreißen, aber manchmal wärs doch schon ganz nützlich, um seine Existenzgrundlage nicht völlig zu gefährden. Und da weiß ich nun nicht, ob ich böse sei soll auf meinen leidenden, kleinen Körper, dass er es nicht schafft, einfach mal die Zähne zusammenzubeißen und zu funktionieren, wie andere ja wohl auch, oder ob ich nicht doch ein bisschen stolz auf ihn bin, dass er sich einfach verweigert, auch wenn er uns beide damit ins Unglück stürzt. Irgendwie mag ich ihn glaube ich dafür.

Ein Titel muss ja nicht immer zum Text passen.

Naja, was ich eigentlich hatte sagen wollen: Ich bin von einer spontanen Depression heimgesucht, deswegen schickt stimmungsaufhellende Drogen und Bonbons! Ich hatte schon überlegt, ob ich vielleicht wieder mehr arbeiten sollte, aber das spricht leider nicht für meine Arbeit, nur irgendwie gegen mich. Es zeigt aber, wie verstellt der Weg zum Glück hier doch ist, wenn das, woran man die ganze Zeit leidet, plötzlich der Weg wird, wenigstens nicht noch mehr zu leiden. Wenn ich nicht so antriebslos wäre, würde ich jetzt furchtbar wütend werden, aber was würde das schon bringen, und vielleicht ist genau das das Problem. Bald wirds besser – nicht die Welt zwar, zumindest aber mein Befinden – und dann bin ich wieder eure tapfere Agate.

Dann mal los, nicht?

Da dachte ich doch, die Milch wäre alle, dabei war sie nur gefroren. Super, es gibt doch noch Frühstück! Nach meinem Wochenende behaupte ich mal: Sachsen-Anhalt ist genau so wie mans sich erzählt – jede Menge deprimierende Existenzen: Arbeitslose, Alkoholiker, Nazis, verfallene Bahnhöfe, verfallene Häuser, verfallene Fabriken. Eine schöne Illustration, wies aussieht, wenn eine Gegend für die Kapitalverwertung weitgehend uninteressant ist, und damit auch die Leute, wenn sie nicht bereit sind, zum Lohnarbeiten in die Schweiz zu fahren. Und dann muss man sich also wieder fragen, ob man gut dran ist oder schlecht, wenn man leidet, weil man ständig zur Arbeit muss. Ich sage: Das kann so nicht weitergehen. Lasst Euch nichts einreden!