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Schade um das schöne Geld…

Es gibt eine neue Kampagne der Bundesregierung zum Thema Rauchen: „Schwarz-Rauchen schadet allen!“ Statt zu klagen, dass Rauchen krank macht, klagt die Regierung jetzt, dass es keine Einnahmen bringt: Dem Staat entgehen durch unversteuerte Zigaretten irrsinnige Milliardenbeträge an Steuereinnahmen, so dass kein Geld für Schulen und soziale Projekte mehr da ist. Mist! Da kann man wohl nur hoffen, dass die Nichtraucherkampagnen nicht wirken, denn sonst fehlt bald noch mehr Geld. Und wer soll dann die Schulen und sozialen Projekte bezahlen? Müssen unsere Kinder bald alle Analphabeten bleiben? Man glaubt immer gar nicht, was für weitreichende Konsequenzen so eine kleine, scheinbar private Entscheidung hat.

Denkt dran: Nicht-Rauchen schadet allen!

Neulich in die Schlange vons Arbeitsamt

Wir standen über eine Stunde in Schlängellinie zwischen dem Absperrband. Im Brief hieß es, ich solle meine Unterlagen am Empfang abgegeben. Dass das nicht wie woanders in 5 Minuten geschehen ist, hatte ich mir gedacht, aber nicht dass man eine Stunde braucht, um überhaupt zum Empfang durchzukommen, egal was für eine kleine Frage man hat. Schwangere und Schwerbehinderte dürfen freundlicherweise vor, alle anderen müssen stehen, egal wie alt oder krank sie sind. Nach 10 Minuten hörte das auf lustig skuril zu sein und wurde nur öde und machte mir Rückenschmerzen. Später begann ich mich mit den Leuten um mich rum zu unterhalten. Einer kam auf die Idee mit dem Domino: Man muss irgendwas Gemeinsames mit dem Hintermann finden, und der wiederum mit seinem, und so weiter, und wenn die Kette unterbrochen ist, fallen alle der Reihe nach um. Das machte Spaß und sah durch die Kurven sehr hübsch aus. Nach einer Weile Domino wurde die Stimmung lockerer und schließlich ließen sich die meisten mit Schwung auf ihren Hintermann fallen. Die Wärter schauten mit ausdruckslosem Blick zu. Erst als dann mal jemand nicht zum Schalter ging, weil er gerade unter einem Haufen Menschen lag, kam eine Sachbearbeiterin und sagte entschieden, wenn das nicht sofort aufhöre, dann würden wir alle nach Hause geschickt, und bekämen kein Geld wegen fehlender Mitbewirkung nach Paragraph 2 Sozialgesetzbuch oder so. Wir seien schließlich nicht zum Vergnügen hier. Alle stellten sich schnell wieder artig auf und hörten auf zu reden. Die Langeweile ging weiter.

Neuer Dienst meiner Stadtverwaltung am Einwohner – Antwort steht noch aus

In meinem Viertel haben sie jetzt Parkscheinautomaten vergraben und wir hatten deswegen einen Stromausfall. „Parkraumbewirtschaftung“ nennt das die Behörde, und schreibt versöhnlich, Parkraumbewirtschaftung also sei „keine Schikane, sondern eine Hilfe“, und zwar für die Anwohner. Die werden per Brief dazu aufgefordert sich darüber zu freuen, dass man jetzt endlich nicht mehr lästig nach Parkplätzen suchen muss. Ach ja? Davon, dass man fürs Parken plötzlich bezahlen muss, hat noch überhaupt niemand einen Parkplatz. Vielmehr wird Parken einfach nur teurer, und zwar kostet es jetzt 13 Euro pro Tag. Das ist nebenbei gesagt mehr als meine Wohnungsmiete, was aber nur daran liegt, dass ich mir keine größere Wohnung leisten kann. Da ich selber gar kein Auto habe, komme ich um die 13 Euro jeden Tag drum herum, aber das ist plötzlich gar kein Vorteil, sondern ein Nachteil, denn man kann bei der Behörde für etwas über 30 Euro eine Jahreskarte kaufen. Die lohnt sich schon bei drei Tagen parken, nur muss man dafür das Nummernschild dem Amt angeben. Wenn man ab und zu mal ein Auto borgt, wenn man eins braucht (was die Parkplatzsituation für die Anwohner und alle die „zum Arbeiten, Einkaufen oder zum Vergnügen“ kommen im Gegensatz zu diesen blöden Automaten echt mal verbessert), kann man keine Jahreskarte bekommen, weil man die Autonummer nicht erst dann eintragen kann, wenn man sieht, was für eine Nummer auf dem Auto draufsteht, was man da ausgeliehen hat – weil da könnte ja jeder kommen, und dann gäbe es bald einen Schwarzhandel mit Anwohnerparkscheinen, und die Drogenmafia in dem Gebiet, die gerade zurückgedrängt werden soll, würde neue Arbeitsfelder erschließen und Leuten wegen Anwohnerparkscheinen auflauern, die zu horrenden Preisen gehandelt werden, und dann fliesst das ganze Geld nicht in die Stadtkasse, für die das hauptsächlich eine Hilfe sein soll, auch wenn der Bezirksstadtrat den Punkt in seinem Brief vergessen hat zu erwähnen. Es gibt gegen die Verteuerung des Lebens hier eine Bürgerinitiative, die Unterschriften sammelt, aber das scheint niemanden zu beeindrucken, denn die Automaten wurden schon vergraben, das signalisiert Entschlossenheit der Behörde. Was es bräuchte wäre eine entschlossene Bürgerinitiave, die die Automaten zertrümmert. Die Pflastersteine liegen ja alle noch rum.

Die Sorgen des Alltags

„Zu große Scheine sind auch Mist“ hörte ich heute am Geldautomaten zwei adrett gekleidete Menschen schimpfen. Da kann ich nur sagen: zu kleine auch!

Öffentliches Ärgernis

Heute fiel mir mal wieder auf, wie lächerlich die Anti-S-Bahn-Fensterscheibenzerkratz-Kampagne ist. Da wird mit einem großen Bild, was blöd aussieht und den ganzen Ausblick versperrt, darauf hingewiesen, dass man nicht mehr so schön rausschauen kann, wenn die Fenster zerkratzt sind. Stimmt ja, aber wenn sie zugeklebt sind auch nicht. Hä? Da sagen die Aufkleberdraufkleber, dass die Aufkleber nicht nötig wären, wenn keiner die Scheiben zerkratzen würde, also alles rein defensiv ist. Vermutlich sagen sie das auch über die Werbung, die viel größer als jeder Kratzer es könnte, die Aussicht und das Licht wegnimmt. Da muss man regelmäßig in finsteren Straßenbahnen fahren, weil draußen draufsteht, wie schön es sich in Lichtenberg wohnt oder wie gut man aus der Berliner Morgenpost informiert wird. Dann zerkratzt es auch keiner, weil man die Kratzer nicht so gut sieht, wenn schon alles vollgeklebt ist? Ich würde gern einfach in Ruhe Straßenbahn fahren können, raus auf die Stadt schauen und nicht von irgendwas belästigt werden. Eigentlich wäre das doch mal echt nicht so schwer. Das Traurige scheint mir, dass es da ja nicht mal verschiedene Bedürfnisse gibt, die schwer unter einen Hut zu kriegen wären: Manche mögen es gern nicht so hell in der Straßenbahn, oder wollen nicht immer rausschauen müssen, deswegen finden sie es gut, wenn die Fenster verklebt sind, sondern da wird die Straßenbahn als Werbefläche vermietet, weil die Verkehrsbetriebe so zu Geld kommen können, um WIRTSCHAFTLICH zu sein. Und da spielt es dann einfach gar keine Rolle, dass das einem die Freude am Bahnfahren verdirbt. Wenn die Verkehrbetriebe pleite gehen, hat man schließlich auch keine Freude mehr am Bahnfahren, nicht wahr, sondern geht immer zu Fuß und da kann man sich dann die Stadt anschauen so viel man will. Statt zu maulen sollte man vielmehr froh sein, dass es überhaupt öffentlichen Nahverkehr gibt, das ist doch schon mal besser als nichts. Danke!

Der Ossi hat das Herz am rechten Fleck, auch wenns eigentlich ja links sein müsste

Ach ja, ein Bekannter von mir vertrat die These, dass es in Ostdeutschland alles noch weniger schlimm sei, weil es da genügend Arbeitslose gibt, so dass sie keine Roboter in Krankenhäusern brauchen, oder wie das Argument noch mal ging. Nee, war irgendwas mit, weil die mehr Gefühle haben und deswegen wissen, dass von einem Metallding untersucht zu werden, sich kalt auf der Haut anfühlt und also unangenehm ist. Das hier portraitierte Krankenhaus war zufällig in West-Berlin, falls jemand, der an vergleichender Soziologie interessiert ist, sich das gefragt haben sollte. Dass das im Osten anders ist, glaube ich allerdings keine kurze Minute. Schon weil ich glaube, dass es Gründe für die Automatisierung in Krankenhäusern gibt, die nicht vom Naturell der Leute abhängen. Aufschlußreich war da durchaus das jetzt leider nicht mehr so gut lesbare, gerahmte Leitbild, welches erst vor Fürsorge und Mitleid kaum noch weitergehen konnte, dann aber doch noch mal freudig darauf hinwies, dass man sich freilich auch der Wirtschaftlichkeit sehr verbunden fühle. Irgendwie hatte das bei denen positiv klingen sollen. Dass das Zweckoptimismus war will ich hoffen, aber kaum glauben.

Erste Freilandversuche bestätigen den wirtschaftlichen Nutzen des Klonens

Ja, Krankenhäuser. Habe ich da schon mal was zu gesagt? Wundert mich ja immer wieder, wo die die Leute herstellen, die da arbeiten. Sind ja meistens ganz gut gearbeitet, robust, glänzend, aber dann sieht man eben doch furchtbar schnell, dass das nur Automaten sind, auch wenn sie Anzüge tragen. Ich finde, soweit darf Gesundheitsreform nun wirklich nicht gehen, dass komplett das Personal eingespart wird, da muss man noch mal mit der Regierung reden, das müssen die auch verstehen. Ich war gestern 3 Stunden in der Notaufnahme und nur diese Zombies da, und kein einziger Mensch, der einem auch nur sagt, was passieren soll, geschweige denn fragt, was man braucht. Plötzlich findet man sich von einem Automaten zum Röntgenraum geschoben und erfährt erst aus der Aufschrift auf dem Zimmer, dass man jetzt wohl geröntgt werden soll. Dabei haben die Automaten Sprachfunktion eingebaut, ist mir völlig unklar, warum die abgeschaltet ist. Vielleicht um auch noch den Strom zu sparen? Anders kann ichs mir nicht erklären. Einmal sprachen die Automaten mich dann doch an und drohten, mich verhaften zu lassen, weil ich mich „unerlaubt“ im „Behandlungszimmer“ aufhielt. (Behandlungzimmer heißt der Raum wo man wartet, bis ein Zombie Zeit hat mal zu schauen, was man hat. ) Dass ich als Gebärdendolmetscher dort war, und dies mein Job sei, konterten sie damit, dass sie sich schließlich mit Medizin auskennen und deshalb wüssten, was zu tun sei. Nach nicht einmal 10 Minuten wollte ich den ganzen Laden anzünden und den Arztautomaten zertrümmern, nur dann hätten wir selber operieren müssen, deswegen habe ich dann nur deren Schmieröl mit Zuckersirup vermischt und das gerahmte Leitbild des Krankenhaus an der Wand mit Graffiti beschmiert als die Automaten nicht geguckt haben. Das war deutlich zu wenig für meinen Geschmack, aber allein kann man sich so schlecht wehren. Schön war allerdings, dass ich mich endlich mal mit meinem Job sehr identifiziert habe, und das wünscht man sich doch immer.

Knut reloaded

Es gibt da ja jetzt diesen neuen kleinen Eisbären in Nürnberg. Ob man wohl richtig viel Geld erpressen kann, wenn man den mitnimmt? Noch ist er so groß, dass er in einen Einkaufsbeutel passt, also müsste man da schnell was unternehmen. Später wird das bestimmt schwieriger. Da kann er am Ende noch beißen. Außerdem trinkt er dann nicht mehr nur Milch sondern isst rohe Steaks, und dann wird der Unterhalt für ihn auch gleich teurer, so dass man noch mal extra drauf angewiesen ist, ordentlich Geld mit der Aktion zu verdienen, damit es kein Zuschußgeschäft wird. Ich kalkuliere das gleich mal durch, wieviel man als Startkapital bräuchte. Fahrkarte nach Nürnberg, Eintritt für den Zoo, dann irgendwie wieder da weg, aber besser nicht mit den Öffentlichen, falls der Bär Geräusche macht. Eigentlich bräuchte man vermutlich ein eigenes Auto, dann kann man den unauffällig wegbringen. Und dann ja nur noch Milch kaufen und warten, das geht dann wieder. Aber Zugtickets für mindestens 2 Leute, und dann noch ein Auto, das haut schon richtig rein. Wenn ich das gerade richtig überschlage, habe ich nicht mal genug Geld für eine winzig kleine Entführung. Dabei war das doch nun endlich mal ein Plan. Irgendwie reicht es dann aber doch immer nur für Frühstück und einen Fahrschein zur Arbeit. Mann, ist das trist.

„We are the ones we have been waiting for!“

Immer noch keine Neuigkeiten vom Leben da draußen, vermutlich auch, weil ich nur noch selten vor die Tür gehe. Aber es gibt freundliche Menschen, die mir Zitate für meine Seite schicken, und so passiert hier also doch was. Allen Einsendern sei herzlich gedankt!

Sentimentaler Kram

Gerade las ich bei Botho Strauß (den das ärgert) über Max Frisch, dass der einem Kumpel dringend ans Herz gelegt hat, im Alter nicht weise zu werden, sondern wütend zu bleiben. Im Gegensatz zu Botho finde ich das einen erfrischenden Rat. Ich habe gerade keine Zeit mich um Eure Lesebedürfnisse ausgiebiger zu kümmern, aber: Werdet wütend!

Und dann wünsche ich Euch freilich trotzdem ein erfreuliches Jahr, denn ich rege mich ja nicht auf, weil man es nicht gut haben soll, sondern weil das einem hier so verdammt schwer gemacht wird.

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