Öffentliches Ärgernis

Heute fiel mir mal wieder auf, wie lächerlich die Anti-S-Bahn-Fensterscheibenzerkratz-Kampagne ist. Da wird mit einem großen Bild, was blöd aussieht und den ganzen Ausblick versperrt, darauf hingewiesen, dass man nicht mehr so schön rausschauen kann, wenn die Fenster zerkratzt sind. Stimmt ja, aber wenn sie zugeklebt sind auch nicht. Hä? Da sagen die Aufkleberdraufkleber, dass die Aufkleber nicht nötig wären, wenn keiner die Scheiben zerkratzen würde, also alles rein defensiv ist. Vermutlich sagen sie das auch über die Werbung, die viel größer als jeder Kratzer es könnte, die Aussicht und das Licht wegnimmt. Da muss man regelmäßig in finsteren Straßenbahnen fahren, weil draußen draufsteht, wie schön es sich in Lichtenberg wohnt oder wie gut man aus der Berliner Morgenpost informiert wird. Dann zerkratzt es auch keiner, weil man die Kratzer nicht so gut sieht, wenn schon alles vollgeklebt ist? Ich würde gern einfach in Ruhe Straßenbahn fahren können, raus auf die Stadt schauen und nicht von irgendwas belästigt werden. Eigentlich wäre das doch mal echt nicht so schwer. Das Traurige scheint mir, dass es da ja nicht mal verschiedene Bedürfnisse gibt, die schwer unter einen Hut zu kriegen wären: Manche mögen es gern nicht so hell in der Straßenbahn, oder wollen nicht immer rausschauen müssen, deswegen finden sie es gut, wenn die Fenster verklebt sind, sondern da wird die Straßenbahn als Werbefläche vermietet, weil die Verkehrsbetriebe so zu Geld kommen können, um WIRTSCHAFTLICH zu sein. Und da spielt es dann einfach gar keine Rolle, dass das einem die Freude am Bahnfahren verdirbt. Wenn die Verkehrbetriebe pleite gehen, hat man schließlich auch keine Freude mehr am Bahnfahren, nicht wahr, sondern geht immer zu Fuß und da kann man sich dann die Stadt anschauen so viel man will. Statt zu maulen sollte man vielmehr froh sein, dass es überhaupt öffentlichen Nahverkehr gibt, das ist doch schon mal besser als nichts. Danke!

1 Response to “Öffentliches Ärgernis”


  1. 1 alkohol Januar 31, 2008 um 5:07

    Ja, diese Absurdität geht mir auch schon einige Zeit gehörig auf die Nerven. Und in der Regel stört die Werbung effektiver als die Kratzereien.
    Manchmal finde ich die Kratzereien sogar (unfreiwillig?) schön.


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