Neuer Dienst meiner Stadtverwaltung am Einwohner – Antwort steht noch aus

In meinem Viertel haben sie jetzt Parkscheinautomaten vergraben und wir hatten deswegen einen Stromausfall. „Parkraumbewirtschaftung“ nennt das die Behörde, und schreibt versöhnlich, Parkraumbewirtschaftung also sei „keine Schikane, sondern eine Hilfe“, und zwar für die Anwohner. Die werden per Brief dazu aufgefordert sich darüber zu freuen, dass man jetzt endlich nicht mehr lästig nach Parkplätzen suchen muss. Ach ja? Davon, dass man fürs Parken plötzlich bezahlen muss, hat noch überhaupt niemand einen Parkplatz. Vielmehr wird Parken einfach nur teurer, und zwar kostet es jetzt 13 Euro pro Tag. Das ist nebenbei gesagt mehr als meine Wohnungsmiete, was aber nur daran liegt, dass ich mir keine größere Wohnung leisten kann. Da ich selber gar kein Auto habe, komme ich um die 13 Euro jeden Tag drum herum, aber das ist plötzlich gar kein Vorteil, sondern ein Nachteil, denn man kann bei der Behörde für etwas über 30 Euro eine Jahreskarte kaufen. Die lohnt sich schon bei drei Tagen parken, nur muss man dafür das Nummernschild dem Amt angeben. Wenn man ab und zu mal ein Auto borgt, wenn man eins braucht (was die Parkplatzsituation für die Anwohner und alle die „zum Arbeiten, Einkaufen oder zum Vergnügen“ kommen im Gegensatz zu diesen blöden Automaten echt mal verbessert), kann man keine Jahreskarte bekommen, weil man die Autonummer nicht erst dann eintragen kann, wenn man sieht, was für eine Nummer auf dem Auto draufsteht, was man da ausgeliehen hat – weil da könnte ja jeder kommen, und dann gäbe es bald einen Schwarzhandel mit Anwohnerparkscheinen, und die Drogenmafia in dem Gebiet, die gerade zurückgedrängt werden soll, würde neue Arbeitsfelder erschließen und Leuten wegen Anwohnerparkscheinen auflauern, die zu horrenden Preisen gehandelt werden, und dann fliesst das ganze Geld nicht in die Stadtkasse, für die das hauptsächlich eine Hilfe sein soll, auch wenn der Bezirksstadtrat den Punkt in seinem Brief vergessen hat zu erwähnen. Es gibt gegen die Verteuerung des Lebens hier eine Bürgerinitiative, die Unterschriften sammelt, aber das scheint niemanden zu beeindrucken, denn die Automaten wurden schon vergraben, das signalisiert Entschlossenheit der Behörde. Was es bräuchte wäre eine entschlossene Bürgerinitiave, die die Automaten zertrümmert. Die Pflastersteine liegen ja alle noch rum.

7 Responses to “Neuer Dienst meiner Stadtverwaltung am Einwohner – Antwort steht noch aus”


  1. 1 Fred März 8, 2008 um 10:17

    Rock it, man!

  2. 2 inmyface März 8, 2008 um 14:43

    Was man ja auch nicht vergessen darf: Ökonomen möchten sich Preise immer als Zuteilungsmechanismus vorstellen, und das sind sie ja auch. Nur stimmt es eben nicht, dass jeder sich fragt, wie wichtig er es findet, da zu parken, und die am dringendsten meinen da parken zu müssen, bekommen vermittelt über den Preis dann also die Chance zu parken. Sondern die Frage ist ja vielmehr, wieviel Geld man überhaupt zur Verfügung hat, das man für irgendwelche Dinge ausgeben kann. Und dann ist man von den allermeisten Sachen über deren Preis gleich von vornherein ausgeschlossen. Na klar überlegt man sich dann, ob man mit den Auto irgendwo hinfahren muss, wenn das Parken vorm Haus plötzlich bezahlt werden muss. Aber das überlegen sich nur die, die ohnehin nicht genug Geld haben, für die Dinge, die sie brauchen. Wenn die nicht mehr Parken, ist auch mehr Platz für die anderen.

    Aber das ist eben was ganz anderes als der behauptete Zuteilmechanismus, bei dem Leute ihre Präferenzen ordnen und sich fragen, ob sie lieber parken oder Cocktails trinken oder Golf spielen. Sondern viele können keins von denen, und keine weitere Sache, die ebenfalls ein Preisschild dran hat. Der Preis ist Zuteilungsmechanismus indem er ein Ausschlußmechanismus ist. Und darum heißt das auch Parkraum“bewirtschaftung“: Weil nämlich von jetzt an Leute von der Benutzung der Parkflächen ausgeschlossen werden.

  3. 3 Ralf März 23, 2008 um 14:49

    Wo bleibt die Bürgerinitiative!?!

  4. 4 Thomas März 30, 2008 um 20:47

    Die spannende Frage ist ja eigentlich, warum Falschparken so niedrig, Falschfahren (vulgo: Schwarzfahren) jedoch mit horrenden Gebühren belegt ist. Wie ich am Wochenende in der Zeitung las, wurde im Ruhrgebiet sogar ein „notorischer Schwarzfahrer“ zu einer Gefängsnisstrafe ohne Bewährung verknackt. Falschparkern würde dies nicht passieren … Ist das gerecht?

  5. 5 Irmgard März 30, 2008 um 21:30

    Die Frage, die mich interessiert wäre aber dann eher, wonach sich „falsch“ bemisst – sowohl beim Parken als auch beim Fahren. Denn immerhin macht es inhaltlich einen mächtigen Unterschied, ob man sein Auto so hinstellt, dass andere Leute gefährdet werden, oder ob man keinen Parkschein kauft. Genauso ist schwarz fahren ja nicht rüpelhaft U-Bahn fahren und damit andere Leute stressen oder gefährden. Sondern ganz höflich Leute aus- und einsteigen lassen, Omis einen Sitzplatz anbieten, Touristen weiterhelfen, die nicht wissen, wo sie aussteigen müssen. Und trotzdem kommt man in den Knast, weil man es unentgeldlich benutzt, und DAS darf man nicht.

  6. 6 Siggi März 31, 2008 um 16:03

    Wenn ihr eine Anekdote von mir dazu hören wollt: Ich wusste ganz lange nicht, was das Wort „Schwarzarbeit“ bedeutet. Irgendwie war klar, es ist was Kriminelles, Mafia oder so, aber ich konnte mir nichts drunter vorstellen. Und dann merkte ich eines Tages, als ich selbst schon ziemlich lange ohne Arbeitserlaubnis gearbeitet hatte und nicht mal wusste, ob ich meine Einkünfte irgendwo angeben müsste, dass ich offenbar schwarz arbeitete und dass dieses blöde, bombastisch kriminell klingende Wort so was Friedliches wie meinen Job meint.

  7. 7 Agate Juni 14, 2008 um 21:17

    Juchu, wir kriegen eine Volksabstimmung und das ganz ohne Randale! Die brave Unterschriftensammlung hat immerhin das gebracht. Bin mir unsicher, ob das Ergebnis der Abstimmung bindend ist oder rechtlich nur den Status eines offiziellen Stimmungstests hat, aber angeblich ist es schon mal passiert, dass so Automaten wieder abgebaut wurden. Bin gespannt!


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