Wo bitte gehts zum richtigen Ende?

Es gibt ja so Dauerbrenner-Themen in Leben: Da war ich nun bei meinem Zahnarzt, habe mir meine 450 Euro Zahnkrone machen lassen, und gleich kommt er mit neuen Ideen. Ich bräuchte unbedingt so eine abgefahrene Sorte elektrischer Zahnbürste für 200 Euro, weil die meine Zähne richtig sauber macht und mir die nächsten 450 Euro spart, und die beste Zahncreme am Markt, die kostet 5 Euro pro Tube. Als ich traurig sagte, mehr Geld für Zähne sei nun wahrlich nicht drin, meinte er, das sei am falschen Ende gespart. Und überhaupt sei doch nun bald wieder Weihnachten, und was eignet sich besser für den Wunschzettel als eine elektrische Zahnbürste! Da steht aber schon eine rückenschonende Bettmatratze drauf, und für das Jahr drauf ein Schreibtischstuhl gegen meinen verspannten Nacken, und weiter wollte ich noch nicht planen, weil ich nicht weiß, wie sich das Verhältnis zu den Schenkern entwickeln wird, und überhaupt, was soll denn das heißen am falschen Ende? Das sagt sich ja immer leicht, wenn man viel Geld hat: An dem Ende muss doch noch was mehr drin sein. Aber welches Ende meint er denn, wo es ruhig fehlen kann? Nicht ständig im Kino alles Geld für Popcorn verballern? Auf dem Rummelplatz nach 6 Runden Achterbahn auch mal an die Gesundheitsrücklagen denken? In eine kleinere Wohnung ziehen, damit die Zahnausgaben bestritten werden können? Weniger waschen? Weniger essen? Wo ist denn hier das richtige Ende?

13 Responses to “Wo bitte gehts zum richtigen Ende?”


  1. 1 alkohol November 1, 2008 um 22:41

    Spare in der Zeit, dann hast Du immer Not!

  2. 2 Gesundheitsapostel November 2, 2008 um 11:34

    Man muss auch nicht drauf hören, was die einem immer alles aufschwatzen wollen. Ich glaube so wichtig ist das nicht, sich genau ganz korrekt die Zähne zu putzen. Ohne Elektrische Zahnbürste kommt man auch durchs Leben…

  3. 3 Hannes November 2, 2008 um 15:29

    Eh, Gesundheitsapostel, es geht doch echt nicht drum, ob die Bürsten was bringen oder ob es auch ohne geht. Ohne gehts meist immer. Die Frage ist doch, ob es einen zurecht fertig macht, dass man von potentiell nützlichen Dingen (in dem Fall offenbar gesundheitserhaltenden Dingen) ausgeschlossen ist, weil man nicht an das nötige Geld dafür kommt. Das ist doch das Gemeine. Und das wird auch dann nicht besser, wenn diese BÜRSTEN nichts bringen. Wenn es Matratzen gibt gegen Rückenschmerzen, warum hat man die dann nicht? Doch nicht, weil die mit dem Produzieren noch nicht hinterher gekommen sind wegen der überbordenden Nachfrage. Und auch nicht, weil man es verpennt, sich drum zu kümmern, sondern weil es überhaupt nicht trivial ist, wie man an das Geld dafür kommt, bzw. man sich dafür bei was anderem einschränken muss, was man vielleicht auch oder sogar dringender braucht. Und dann muss man sich noch von Leuten mit genügend Geld, die diese Gesellschaft für ein Menschenbeglückungsprogramm halten, sagen lassen, dass man seine Prioritäten falsch setzt. Die wollen doch gar nicht wissen, dass man seine Prioritäten gar nicht so frei setzen kann, wie man es gern hätte, sondern mit dem Nötigsten anfangen muss, und der Rest geht, wenn man es sich leisten kann, oder es geht eben gar nicht. Und Gesundheit geht also nur, wenn man es sich leisten kann. Was ist das denn für ein bitteres Zeugnis für so eine saureiche Gesellschaft.

  4. 4 Darko Kovacevic November 4, 2008 um 23:08

    Die wollen doch gar nicht wissen, dass man seine Prioritäten gar nicht so frei setzen kann

    Frei setzen kann man sie schon. Das bestreitet dir der Staat nicht und das ist auch der Gehalt der Freiheit. Wollen kannst Du, was du willst. Ob du die Mittel zur Umsetzung deines anerkannten freien Willens, also Geld, hast, steht freilich auf einem anderen Blatt. Das ist nur kein Widerspruch zur Freiheit, vielmehr dessen stoffliche Seite. Verfügst Du darüber, kannst Du den Willensinhalt umsetzen. Wenn andere drüber verfügen, Pech gehabt. Das sind halt die Kosten der Freiheit.😀

  5. 5 Hannes November 4, 2008 um 23:57

    Darkovic, es ging gerade gar nicht drum, dass der Staat einem die Freiheit seine Prioritäten zu setzen bestreitet, sondern, dass die Freiheit nicht viel hermacht, wenn das Geld fehlt.

  6. 6 Darko Kovacevic November 5, 2008 um 7:41

    Hannes: Und nochmal. Auch in der letzten Aussage von Dir steckt ein Fehler über die Freiheit. Du tust nämlich so, als wäre Freiheit schon okay, wenn es nicht das Eigentum (hier in Gestalt von Geld) gäbe, was einem die Freiheit madig macht, weil man ja dann doch nicht umsetzen kann, was man will.

    Und da war mein Hinweis im obigen Kommentar: Das ist Freiheit. Eigentum ist letztlich nur die stoffliche Verlängerung von Freiheit. Anders: Eigentum hat den gleichen Inhalt wie Freiheit, zu tun und zu lassen was man will, bezogen auf die einem zusortierten Gegenstände.

  7. 7 alkohol November 9, 2008 um 22:28

    @ Darko

    Die schneller-kürzer-höher-Kritik vom Gsp ist bloß Diskurspolitik um der Definitionsmacht willen. Mit der „Sache“ hat das nix mehr zu tun. So knapp wie du hier den Zusammenhang schilderst, versteht ihn eh‘ kein Normalsterblicher.

  8. 8 Darko Kovacevic November 10, 2008 um 18:25

    @ alkohol:

    Die schneller-kürzer-höher-Kritik vom Gsp ist bloß Diskurspolitik um der Definitionsmacht willen.

    Woraus entnimmst Du das? Was soll ich denn mit Definitionsmacht oder Diskurspolitik? Meinst Du damit, das letzte Wort zu haben? Wenn Du den „GSP“ kennen würdest, dann solltest Du wissen, dass der darauf jedenfalls schon deswegen keinen Wert legt, weil er weiß, dass die Agitation selber ziemlich für den Arsch ist, wenn der Adressat kein Interesse daran hat und sich drauf bezieht. Insofern ist Diskurshoheit auch ein Scheißdreck.

    Ansonsten sag Du oder Hannes einfach, was unverständlich ist.

    Dass ich an der Sache vorbeiredete, ist schlicht verkehrt. Der Satz

    Die wollen doch gar nicht wissen, dass man seine Prioritäten gar nicht so frei setzen kann

    enthält eine falsche Vorstellung der Freiheit. Eben weil man die Prioritäten frei setzen kann. Ansonsten s.o. oder führ einfach mal aus, was daran verkehrt ist; am besten vor dem 6ten Bier!😛

  9. 9 Darko Kovacevic November 10, 2008 um 18:26

    wenn der Adressat kein Interesse daran hat und sich drauf bezieht.

    da fehlt ein „nicht“.

  10. 10 alkohol November 10, 2008 um 23:14

    @ darko

    Dass ich an der Sache vorbeiredete, ist schlicht verkehrt. Der Satz

    Die wollen doch gar nicht wissen, dass man seine Prioritäten gar nicht so frei setzen kann

    enthält eine falsche Vorstellung der Freiheit. Eben weil man die Prioritäten frei setzen kann. Ansonsten s.o. oder führ einfach mal aus, was daran verkehrt ist

    OK, mal’n bisschen konkreter: „Freiheit“ ist mehrdeutig. Ich nehme mal einfach an, dass du die Freiheit des Willens nicht leugnest. Schon auch einige Zeit kann man darüber diskutieren, ob Freiheit nicht immer bloß ein ‚frei von etwas sein‘ sei.
    Bürgerliche Freiheit wie sie in der Verfassung steht, ist also nicht der einzige Inhalt, die mit diesem Wort verbunden wird.

    Ich sehe nicht die inhaltliche Differenz zu Hannes. Du benutzt halt in gegenwärtigen Beiträgen ‚Freiheit‘ synonym mit der bürgerlichen Freiheit und behauptest, was anderes könne dieses Wort auch gar nicht bedeuten, und pampst dann Hannes an, weil er das Wort nicht so benutzt wie du. Das meinte ich mit Diskurspolitik und Definitionsmacht.
    Dein Gebrauch des Wortes ‚Freiheit‘ setzt eine polemische Kritik voraus, die du mal besser genauer ausführen solltest.

    Also, wenn ich mal Lust auf Texte habe, bei denen der Autor nicht hinschreibt, was er meint, da habe ich noch den Adorno im Regal. Und diese einschüchternde Art, die der auch drauf hat, kannst du dir mal sparen.

  11. 11 Darko Kovacevic November 11, 2008 um 10:41

    @ alkohol

    Erklär‘ das mal mit dem Einschüchtern. Wie soll das hier gehen? Das mit dem 6ten Bier war nen Witz auf deinen nick. Nu nimm mal den Tannenzappen ausm Arsch!🙂 (das hätte Adorno nie gesagt!)

    Schon auch einige Zeit kann man darüber diskutieren, ob Freiheit nicht immer bloß ein ‘frei von etwas sein’ sei.
    Bürgerliche Freiheit wie sie in der Verfassung steht, ist also nicht der einzige Inhalt, die mit diesem Wort verbunden wird.

    Das stimmt, macht die Sache nur nicht besser. Du hast ja recht: Es gibt Leute, die fassen alles, was sie politisch wichtig finden unter den Begriff der Freiheit: Anarchisten die staatenlose Gesellschaft, Faschisten den Dienst an der Volksgemeinschaft. Die sehen halt, wie der Bürger Freiheit als Höchstwert feiert und docken an dieses positive Urteil mit ihrem Inhalt an. Darum ging es hier nur nicht, sondern um die Betätigung des Willens unter der Bedingung der Freiheit.

    Und da sagt Hannes: Geht nicht, weil man kann Prioritäten nicht frei setzen. Gegenthese: Und ob das geht, der Staat anerkennt sogar den freien Willen der Leute, nur weil es ein Wille ist. Und das hat eben die brutalen Konsequenzen, die man so im Alltag erlebt, weil man die meisten Dinge, welche man für die eigenen „Prioritäten“ benötigt, in der Willenssphäre eines anderen stecken und man diesen fremden Willen zu akzeptieren hat. Auch wenn dieser Wille einem rücksichtslos gegenübersteht, also nicht das eigene Interesse bedient. Plastisch: Ich kann mir die Priorität setzen, eine elektrische Zahnbürste zu haben oder eine Weltreise zu machen. Der Willensinhalt wird einem nicht beschnitten. Nur die Umsetzung des Willens relativiert sich an dem Willen derjenigen, die die Mittel für die Umsetzung des Willensinhaltes haben. Das ist kein Widerspruch zur Freiheit, sondern nur deren Konsequenz, wenn eben alle die haben und rücksichtslos einsetzen.
    Und ich meine, dass das bei Hannes so nicht vorkommt. Er hält die Tatsache, dass sich die Umsetzung der Prioritäten an dem Willen anderer relatviert (mal konkret gesagt: vom Preis abhängt…) als Widerspruch zum Freisein („nicht frei setzen“). Und das ist wie ausgeführt nicht der Witz hier.

    Zu „frei sein von“ als Inhalt von Freiheit: Bei solchen Ansagen von konkreten Nichtabhängigkeiten, z.B. befreit sein vom Sportunterricht, macht man eigentlich nicht den Übergang zu „ich bin frei!“. Selbst wenn das Leute machen, ist es falsch, weil frei sein – das merkt man schon an der Abstraktion – gar nicht auf eine konkrete Unabhängigkeit bezogen ist. Aber auch hier finde ich jetzt den Bezug zu Hannes nicht.

  12. 12 alkohol November 12, 2008 um 16:15

    @ darko

    Erklär’ das mal mit dem Einschüchtern. Wie soll das hier gehen? Das mit dem 6ten Bier war nen Witz auf deinen nick. Nu nimm mal den Tannenzappen ausm Arsch!🙂 (das hätte Adorno nie gesagt!)

    Ach, das meint‘ ich doch gar nicht; das fand ich ganz ok.
    Ich meinte wie du mit Hannes umgesprungen bist. Da fuhrst die Schiene „Du hast noch nicht kapiert, was Freiheit eigentlich heißt“, indem du deine Position stillschweigend vorausgesetzt hast. Das kann man sich mal sparen und stattdessen gleich mit den Bestimmungen zum Begriff der Freiheit ‚rausrücken. Dann kann man sich damit auseinandersetzen.

    Darum ging es hier nur nicht, sondern um die Betätigung des Willens unter der Bedingung der Freiheit.

    Und da sagt Hannes: Geht nicht, weil man kann Prioritäten nicht frei setzen.

    Ich verstehe noch nicht so recht, was der inhaltliche Unterschied zwischen dem von Hannes und dem von dir Gesagten ist.
    Zunächst einmal ist ja die Frage, ob Freiheit ein sinnvolles politisches Ziel ist. Man hat erstmal immer schon einen freien Willen: man ist nie determiniert, wenn man sich Zwecke überlegt.
    Ein freier Wille, der sich nie realisieren könnte, wäre nun aber ein Widerspruch in sich. Denn in dem Fall hätte die Freiheit keinerlei Relevanz für das Handeln.
    Wenn ich Hannes richtig verstanden habe, meint er: in der kapitalistischen Gesellschaft gibt es Beschränkungen für den Willen (der z.B. die elektrische Zahnbürste oder die Weltreise will), die nicht sein müssten (Umsetzung fällt mangels Geld flach).
    Demnach ist die Freiheit nicht so groß wie sie sein könnte.

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, meinst du, dass diese Beschränkungen des Willens sich gerade der Realisierung der Freiheit als politischer Zweck verdanken.
    Dem kann ich soweit folgen, als dass der Wille zwar immer auf Beschränkungen stößt – schließlich führt die Setzung eines Zwecks kaum jemals zu seiner Realisierung, sondern erfordert immer eine Auseinandersetzung mit der materiellen Welt.
    Aber dass es Beschränkungen der Freiheit gibt, bedeutet nicht, dass es keine Freiheit gäbe. Es ist eben keine relativer, sondern ein qualitativer Unterschied, ob man frei ist oder nicht. Eine Freiheit irgend wozu hat man immer, und seien es auch bloß fruchtlose Wünsche.

    Aber ein Befreiung von Beschränkungen, die nicht sein müssten, macht schon einen relativen Unterschied auf.
    Was ich mich also frage: Wenn man Freiheit ablehnt, was will man denn dann? Determination? Absolutismus? Und was ist verkehrt daran, sich zum politischen Zweck zu setzen, Beschränkungen abzuschaffen, die es nicht bräuchte?

  13. 13 Tambourine November 23, 2008 um 0:02

    Mein Jugendschulfreund hieß Kovacic mit Nachnamen und der hatte auch so nen Autoritätsgehabe drauf. Jetzt ist er beim Auswärtigen Amt. Aber das gehört hier nicht hin. Ich wollte vielmehr davon erzählen, dass die Gewerkschaften ein doofer Männerbund sind und ich wieder mal mein Wochenende rausgeschmissen hab. Dagegen verblasst mein Jugendschulfreund (wobei, treff ihn hier in vielen Menschen in Permanenz).


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